Das Ziel von Buddhas Lehre ist die volle Entwicklung der in uns liegenden Qualitäten von Körper, Rede und Geist. Buddha erklärt lebensbezogen und überprüfbar, was letztendlich wirklich und was vergänglich ist. Dieses Verständnis ermöglicht – ergänzt durch Meditation und buddhistische Praxis – im Alltag dauerhaftes Glück.
Der Buddhismus ist Hauptreligion in mehreren ostasiatischen Ländern. Seit den Siebzigerjahren überzeugen und begeistern Buddhas Einsichten auch eine wachsende Zahl von Menschen im Westen. Die Lehre hat sich den jeweiligen kulturellen Bedingungen angepasst, ohne dabei ihre Essenz zu verlieren.

Buddha bedeutet «der Erwachte» und bezeichnet den Zustand, in dem der Geist sich selbst erkennt und sein volles Potenzial zeigt. Dieses Potenzial zur vollen Erleuchtung, die Buddha-Natur, wohnt allen fühlenden Wesen inne. Nach seiner Erleuchtung lehrte Buddha 45 Jahre lang in der damaligen nordindischen Hochkultur. Dabei vermittelte er auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrung wirksame Mittel, die zur Erleuchtung führen. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Fähigkeiten kamen zu ihm. Er beantwortete ihre Fragen und wies stets auf das hin, was letztendlich wirklich ist.
Stets ermutigte Buddha seine Schülerinnen und Schüler, seine Erklärungen zu hinterfragen, bevor sie im eigenen Leben angewendet werden. Dank dieser Haltung kennt der Buddhismus keine Dogmen und ist bis heute offen für wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen.
«Die grundlegende Natur unseres Geistes ist wie der Raum: grenzenlos und unzerstörbar. Wenn wir mit dem Geist arbeiten und dies erfahren, werden seine natürlichen Qualitäten wach: Wir werden furchtlos und bekommen mehr Überschuss, um anderen zu helfen. »Lama Ole Nydahl
Buddhas Lehre
Buddha lehrte entsprechend der Fragen und Offenheit der Schülerinnen und Schüler, die zu ihm kamen. Daraus ergaben sich unterschiedliche Schwerpunkte und die verschiedenen buddhistischen Richtungen. Wer Leid vermeiden wollte, bekam Auskunft über Ursache und Wirkung («Kleiner Weg», sanskr. «Hinayana», auch «Theravada» – «Schule der Ältesten» genannt). Wer mehr für andere tun wollte, hörte Belehrungen über Mitgefühl und Weisheit («Grosser Weg», sanskr. «Mahayana»). Wenn die Leute starkes Vertrauen in ihre eigene Buddhanatur hatten, lehrte er den Diamantweg (sanskr. «Vajrayana»). Jeder hat die Buddhanatur und kann Erleuchtung erreichen. In diesem Weg vermittelte Buddha direkt seine erleuchtete Sicht von der Natur des Geistes, das «Grosse Siegel» (sanskr. «Mahamudra»). Seit dem 12. Jahrhundert gibt die Karma Kagyü Linie diese Sichtweise weiter.

Theravada (Die Schule der Ältesten)
Der Theravada bietet Lehren über Ursache und Wirkung (Karma) sowie beruhigende Meditationen, um Abstand von schwierigen Gedanken und Gefühlen zu gewinnen. Wenn man diesen Lehren folgt – die auch als der Kleine Weg (sanskr. «Hinayana») bezeichnet werden – entsteht das Verständnis, dass Gedanken und Gefühle nicht persönlich sind. Dies gibt uns die Möglichkeit, in einer nützlichen Weise zu handeln und positives Karma anzusammeln.
Die Lehren verbreiteten sich vor allem in den Ländern Südostasiens, darunter Sri Lanka, Thailand, Kambodscha und Birma. Heute ist die Schule der Ältesten (sanskr. «Theravada») das beste Beispiel für diese Art des Buddhismus. Ihr Ziel ist die Befreiung von allen Störungen.
Mahayana (Grosser Weg)
Die Mahayana-Lehren ziehen Menschen an, deren Hauptmotivation im Leben darin besteht, anderen nützlich zu sein, was auch als Bodhisattva-Haltung bekannt ist. Die Lehren und Meditationen des Grossen Weges zielen darauf ab, allmählich Mitgefühl und Weisheit anzusammeln. Unterstützt wird die Entwicklung auf diesem Weg durch die Weisheit, dass die Welt wie ein Traum ist. Daher kann sie durch unsere Gedanken, Worte und Handlungen verändert werden. Diese buddhistischen Lehren verbreiteten sich vor allem in Nordasien – in Japan, Vietnam, China, Tibet und Korea. Aus diesem Grund werden die Schulen des Grossen Weges (sanskr. «Mahayana») auch als Schulen des Nordbuddhismus bezeichnet. Ihr Ziel ist es, nicht nur befreit, sondern zum Wohle aller vollständig erleuchtet zu werden. Der Mahayana umfasst die Theravada-Lehren.
Vajrayana (Diamantweg)
Buddhas Lehren, die als Diamantweg (sanskr. «Vajrayana») bezeichnet werden, betreffen den Geist selbst. Diese direkten Lehren, die Buddha gab, sind für diejenigen, die eine besondere Art von Vertrauen haben. Sie verstehen, dass sie die Vollkommenheit im Äusseren nur wahrnehmen können, weil sie die gleiche angeborene Vollkommenheit im Inneren haben. Im Vajrayana wird der Buddha oder der Lehrer nicht als Person betrachtet; er ist vielmehr ein Spiegel unseres eigenen Geistes. Hier wird mit der direkten Identifikation mit Erleuchtung durch den Lehrer gearbeitet, der alle uns innewohnenden Qualitäten spiegelt. Die Vajrayana-Lehren weisen direkt auf die vollkommenen Qualitäten des Geistes hin und sind oft als buddhistisches Tantra bekannt. Als der Buddhismus in seinem Heimatland zerstört wurde, überlebten diese Lehren hauptsächlich in Tibet. Das Vajrayana umfasst auch die Lehren des Theravada und des Mahayana.
Methoden und Sichtweise im Diamantweg
Meditation als praktisches Mittel lässt Wissen und Einsicht zur eigenen Erfahrung werden. Sinnvolles Verhalten und eine selbstbefreiende Sichtweise ergänzen diesen Weg der völligen Eigenverantwortung. Die Belehrungen zielen auf zeitlose Werte und helfen, den inneren Reichtum zum Besten aller Wesen zu entfalten.

Im Diamantweg-Buddhismus der Karma Kagyü Linie sind folgende Eigenschaften für Praktizierende charakteristisch:
- Die Entscheidung, selbst ein Buddha zu werden
- Das Wirken zum Besten Aller und der Wunsch, dass alle Wesen dauerhaftes Glück erfahren
- Die eigene Meditationspraxis, um die Eigenschaften eines Buddhas selbst zu verwirklichen
- Das bestmögliche Halten der Meditationserfahrungen und ihre Übertragung in den Alltag
- Das Bestreben, Mitgefühl und Weisheit zu entwickeln
- Das Vertrauen, dass Ursache und Wirkung die Voraussetzung von Leid und Glück sind
- Die sogenannte «reine Sichtweise»: man übt, alles auf der höchsten Ebene zu sehen, sich auf die Buddhaeigenschaften im eigenen Geist auszurichten und zu erkennen, dass die Natur aller Erscheinungen bereits ursprüngliche Weisheit ist